Schneegolfen – Wo das Grün Weiß ist

Golfen ist weit mehr als ein sommerlicher Wohlfühlsport auf saftig grünem Gras, denn Turniere finden auch bei ungünstigen Wetterverhältnissen statt. Als Trend für frostfeste Golfer kristallisiert sich das Eis- und Schnellgolfen heraus, das zwar schon seit mehr als 100 Jahren bekannt ist, doch erst im Jahr 1999 zur Weltmeisterdisziplin erkoren wurde.

Was zeichnet diese spannende – und eiskalte – Variante des Golfsports aus?

Wenn das «Green» zum «White» wird

Die «Greens» heißen im Eis- und Schneegolfen tatsächlich «Whites», hier wird nämlich mitten im Schnee oder sogar auf zugefrorenen Seen gespielt. Einige Turniere finden hoch in den Alpen statt, auf Grönland oder an anderen frostigen Orten.

Das «Rough» besteht aus Tiefschnee anstatt aus hoher Wiese; dort versinkt mancher Ball auf Nimmerwiedersehen. Um trotzdem möglichst viele Golfbälle wiederzufinden, werden diese in kräftigen Farben eingefärbt: manche in strahlendem Neongrün, andere in knalligem Orange oder grellem Lila. Trotzdem gilt bei vielen Schneegolfturnieren die Regel, dass bei Ballverlust im Schnee ein neuer Ball ins Spiel kommt, ohne dass der Spieler einen Punktabzug erhält.

Golf auf gefrorenem See
Oft wird auf gefrorenen Seen gespielt

Die übliche klassisch-legere Golfkleidung ist natürlich bei diesen Extrem-Turnieren nicht gefragt. Die Spieler tragen stattdessen warme Wintersachen, dazu oft Mütze, Schal und Handschuhe. Optisch entsteht also ein völlig anderes Bild, als das, was mit dem üblichen Golfspiel assoziiert wird – und auch die Spieler erleben ihren Sport auf ganz neue Weise.

Zum Beispiel besteht die Notwendigkeit vor dem Spiel die Muskeln mit Dehnübungen aufzuwärmen, um den Körper bestmöglich vorzubereiten. Auch zwischendurch ist die eine oder andere gymnastische Übung sicher nicht fehl am Platz.

Wer hat das Schneegolfen erfunden?

Der Brite Rudyard Kipling gilt als erster moderner Schneegolfer der Welt. Ursprünglich erlangte er Bekanntheit durch seine schriftstellerischen Arbeiten, die ihm den Literaturnobelpreis einbrachten. Eines seiner beliebtesten Werke ist «Das Dschungelbuch», das auch heute noch Kinder und Erwachsene in aller Welt begeistert.

Kipling liebte nicht nur das Schreiben, sondern auch das Golfen. Ende des 19. Jahrhunderts lebte er im kalten Neuengland und vertrieb sich die lange Winterzeit in seinem zum Golfparcours umfunktionierten Garten.

Um seine Bälle im tiefen Schnee möglichst leicht wiederzufinden, färbte er sie mit roter Tinte ein. So vertrieb sich der passionierte Golfer die kalten, dunklen Monate auf adäquate Weise und formierte eine neue Interpretation des klassischen Sports.

Golf in den Niederlanden
In den Niederlanden wurde früher auf den gefrorenen Kanälen gespielt

Schon vor Kipling spielten bereits die Niederländer des 17. Jahrhunderts eine Urform des Golfsports auf den zugefrorenen Kanälen des Landes. Das winterliche Ballspiel trug den Namen «Kolf», es wird auf Gemälden der Künstler Hendrick Avercamp und Aert van der Neer dargestellt.

Hier wird Schnee- und Eisgolf gespielt

Die Weltmeisterschaft im Eisgolf, die «World Ice Golf Championchips», finden seit 1999 jedes Jahr in Grönland auf der Insel Uummanaq statt. Bei eisigen Temperaturen von bis zu -20 °Celsius gelangen die Spieler mit dem Hundeschlitten zum jeweils nächsten Loch. Wer mitmischen möchte, benötigt ein Handikap unter 18 sowie gute Frostbeständigkeit.

Auch in Mitteleuropa finden Schneegolfturniere statt. In den 1970er starteten die ersten Eisgolfmeisterschaften auf dem zugefrorenen St. Moritz See. Das wirkte ansteckend und weitere alpine Wintersportorte zogen nach. Heute können wetterfeste Golfer sich zum Beispiel in den Schweizer Orten Wispile und Gemmi austoben, auch in Obertauern in Österreich findet ein jährliches Schneegolfturnier statt.

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Verfasst von:

Als Sportjournalist und begeisterter Golfer hat Mike in den letzten 20 Jahren unzählige Golfplätze weltweit inspiziert. Jetzt setzt er sich zur Ruhe und schreibt auf dieser Seite über seine Erfahrungen mit dem Thema Golfen.